Nathanael hat gebaut.


Auf den Tag genau vor 10 Jahren bin ich vom damaligen Kirchenvorstandsvorsitzenden Prof. Künsebeck gefragt worden, ob ich im Bauausschuss der Nathanael-Gemeinde mitarbeiten wolle, es müssten Überlegungen sehr grundsätzlicher Art angestellt werden, die auch auf einen Architektenwettbewerb für einen kompletten Neubau hinauslaufen könnten. Da konnte ich damals nicht nein sagen, allein schon, weil die Beratung und Begleitung von Architektenwettbewerben zu meinen beruflichen Schwerpunkten gehört. Wenn ich gewusst hätte, was damit auf mich zukommt, so hätte ich wohl besser nein gesagt, denn der zeitliche Aufwand, die über Jahre währende Ugewissheit, ob all das überhaupt jemals zum Ziel führen könnte und insbesondere die zwischenzeitlichen, ins persönliche gehenden Anfeindungen und perfiden Verhinderungsstrategien, all das war alles andere als Ehrenamts-gerecht.

Ich musste leider feststellen, dass die Landeskirche Hannovers und der Stadtkirchenverband nicht die baufachlichen Kapazitäten zur Verfügung stellen, die eine mit ehrenamtlich arbeitenden Laien besetzte Gemeinde benötigt, um ein Bauvorhaben wie dieses umzusetzen. Was nicht heißt, dass die Akteure auf diesen Ebenen sich nicht für unser Vorhaben engagiert hätten, im Gegenteil. Hätten wir uns nicht auf die Unterstützung einiger Personen im Stadtkirchenverband und beim Amt für Bau- und Kunstpflege verlassen können, so wären wir gewiss nicht zum Ziel gelangt. Und manche Strippe dürfte im Hintergrund gezogen worden sein, ohne dass wir dies bemerkt hätten, auch wenn wir es mitunter ahnen konnten. Aber ohne baufachliche Kompetenz auf Bauherrenseite lässt sich so ein Bauvorhaben heute nicht mehr umsetzen, und zu erwarten, dass ein Architekt ehrenamtlich bereit steht, diesen Job über Jahre hinweg mit professionellem Einsatz zu übernehmen, ist nicht akzeptabel. So wie für jede Dachreparatur ein Handwerker engagiert und auch bezahlt wird, so wie für jeden vertretungsweise übernommenen Gottesdienst ein Kirchenmusiker ein zumindest schmales Salär erhält, so muss die Übernahme der Bauherrenfunktion für eine Kirchengemeinde entweder honoriert oder von den kirchlichen Verwaltungen übernommen werden. Das ist meine Erkenntnis, die ich zumindest loswerden muss. Und um es klarzustellen: Es geht dabei nicht darum, Defizite der eigentlichen Architektenleistungen aufzufangen. Unser Architekturbüro ksw hat uns über mehr als sieben Jahre hinweg treu die Stange gehalten und tolle Arbeit geleistet, obwohl auch ihr Tun massiv unter dem Konflikt gelitten hat. Für ein öffentliches Bauvorhaben wie dieses braucht ein Architekt jedoch immer einen Ansprechpartner auf Bauherrenseite, der etwa im Dilemma um widerstreitende technische Vorschriften zu Barrierefreiheit, Gebäudeabdichtung und Brandschutz einerseits und bauordnungsrechtliche, funktionale und nicht zuletzt gestalterische Ansprüche andererseits, Entscheidungen treffen kann. Die können zwar vom Architekten vorbereitet und vorgeschlagen werden, müssen aber vom Bauherren verstanden und getroffen werden. Hierfür unterhalten öffentliche Bauherren und größere Unternehmen eigene Bauverwaltungen, wir mussten uns (mehr oder weniger) selbst behelfen.

Und doch: Nach 10 unglaublichen Jahren haben wir mit dem Umzug gestern ein Ziel erreicht, das man - glaube ich - vorzeigen kann und das - so hoffe ich - mehr als respektabel ist. Das macht mich auch stolz und glücklich. Und ich spüre große Erleichterung, es tatsächlich geschafft zu haben und bin unendlich dankbar, dass mich insbesondere meine Familie und allen voran Kerstin bei alledem unterstützt hat. Das ist ein Dank fern jeglicher Floskeln, denn die Belastungen waren zeitweilig und gerade in der letzten Zeit immens, nicht nur für mich, sondern auch für Kerstin, die mir den Rücken freigehalten hat. Am 10. November ist die feierliche Weihe des Neubaus. Bis dahin ist noch unendlich viel und längst nicht nur Kleinkram zu erledigen. Und auch danach wird es noch weitergehen mit dem Abriss des Altbaus und der Fertigstellung der Außenanlagen. Aber dennoch kann man sagen: Der Neubau ist fertig, und alles, was jetzt noch kommt, kann unmittelbar vor Ort gesehen und begleitet werden. Mein Bericht in diesem Blog ist daher mit diesem Eintrag am Ende.

Wer aufmerksam mitgelesen hat, wird gemerkt haben, dass ich immer wieder versucht habe, entwurfskonzeptionelle und baukonstruktive Dinge so zu erläutern, dass sie für fachlich Unbelastete verständlich werden. Da habe ich einen hoffentlich nicht zu penetranten missionarischen Eifer entwickelt, aber es hat mir auch einfach Spaß gemacht. Daher werde ich zukünftig diesen Blog mit ganz anderen Geschichten und Beobachtungen rund um meine gebaute Umwelt fortsetzen. Die Adresse www.nathanaelbaut.de behalte ich hierfür einfach, auch wenn es gar nicht mehr um Nathanael gehen wird, aber ohne Nathanael hätte ich diesen Blog auch nie gestartet.

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